Antwort:
Ein spirituelles Leben zu leben bedeutet zuallererst, eine verantwortungsvolle Persönlichkeit zu sein. Denn unsere Pflicht als Vaishnavas besteht darin, auf eine Weise zu handeln, dass andere Leute unsere Arbeit schätzen. Selbst wenn sie unterschiedlicher Meinung sind oder unsere Interessen nicht teilen, sollten sie denken, dass die Arbeit und der Beitrag der Vaishnavas für die Gesellschaft wichtig und wertvoll ist. Und daher ist es eine individuelle Frage für jeden Einzelnen von uns: "Wie kann ich dies erreichen?"
Wir sind nicht nur hinsichtlich unseres Körpers und der Gesellschaft verantwortlich, sondern auch hinsichtlich unseres spirituellen Bewusstseins, das heisst: gegenüber Gott. Die Geschenke, die wir von ihm erhalten, sollten achtungsvoll empfangen und auf eine Weise verarbeitet werden, dass wir fähig sind, sie an andere weiterzureichen.
Aus diesem Grunde ist ein Vaishnava immer intensiv damit beschäftigt, Geschenke zu verteilen. Nämlich: Spirituelle Nahrung (Prasadam) verteilen; spirituelle Bücher anbieten, spirituelle Musik spielen, spirituelle Internet Homepages kreieren oder spirituelle Programme organisieren, an denen die Menschen teilnehmen können, Kontakt haben und sich mit Geweihten anfreunden können.
Die Möglichkeit des menschlichen Lebens, Selbstverwirklichung zu erlangen, ist etwas ganz Besonderes. Ein individuelles Bewusstsein bedeutet, über die Möglichkeit der Unterscheidung zwischen Reinem und Unreinem oder Freuden und Leiden zu verfügen - Dinge, die massgebend sind. Denn wir sind nicht automatisch dämonisch oder heilig. Wir sind das, wofür wir uns anstrengen, wonach wir streben und worum wir uns kümmern. Wir sind das, wonach wir uns sehnen, um die Wahrheit zu zeigen, denn nur jemand, der die Wahrheit sucht, kann die Wahrheit finden. Und nur jemand, der gewillt ist, die Wahrheit zu leben, ist befähigt, einen Funken davon zu erhalten.
Deshalb sollte die richtige Haltung eines Geweihten sein: "Oh Krishna, ich weiss nicht, was du für mich planst, aber tue, was du möchstest." Mit dieser Haltung, selbst wenn sie nicht das ganze Leben anhält, kann man beträchtlichen spirituellen Fortschritt machen.
Diese Haltung ist abhängig vom Ausmass des Vertrauens in unserem Herzen. In Sanskrit wird dies "Shraddha" genannt. Es ist die Segnung Srimati Radharanis und es ist etwas, dass man nicht kaufen oder mit Gewalt erzwingen kann. Shraddha ist das Geschenk, das wir durch die Barmherzigkeit der Sadhus, in der Gemeinschaft der Sadhus (Sadhu-Sanga) erhalten können. Wenn wir dieses Shraddha besitzen, beginnt tasächlich unser spiritueller Pfad. Denn durch diese Glaubenszuversicht wissen wir: Nun beginnt ein neuer Vorgang. Und worin besteht dieser Vorgang? Durch das Vertrauen in die Sadhus beginnt die Suche nach einer wirklichen Zuflucht für uns selbst. Die Suche nach einem geistigen Meister. Ein geistiger Meister, oder Guru, wird uns die Inspiration geben, unser bedingtes Leben zu erleuchten.
Aber was bedeutet es, ein erleuchtetes Leben zu leben? Ein erleuchtetes Leben bedeutet nicht, die Augen zu schliessen und nichts anderes mehr zu sehen als Licht. Ein erleuchtetes Leben bedeutet, erleuchtete Handlungen und erleuchtete Anstrengungen. Darum dreht es sich beim spirituellen Leben. Da gibt es keine Grenzen und Mauern, die deine Liebe und Barmherzigkeit stoppen könnten!
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